einen Vortrag von von Dieter Hehr
Im Zusammenhang mit der Gedenkveranstaltung „Erinnern – eine Brücke für die Zukunft“ in der Antoniterkirche Köln, die jährlich am 27. Januar stattfindet, hat Dieter einen Vortrag bei unserem Treffen am vergangenen Donnerstag zu diesem Thema gehalten.
Besonders die Mittelschicht, kleine Bourgeoisie und teils die Aristokratie wurden von der Politik der NSDAP geprägt. Der Autoritarismus in Preußen, das durch die Aristokratie geführt wurde, war insbesondere militärisch stark von Frankreich geprägt. Im 17. und 18. Jahrhundert war der Absolutismus die verbreitetste Form der unterdrückerischen Herrschaft in Europa.
Die adlige Oberschicht befiehlt und fordert von der Mehrheit, dass die Befehle befolgt werden. Im Faschismus des vergangenen Jahrhunderts herrscht ein Klassenbündnis aus (überwiegend) industrieller Oberschicht und Teilen der Mittelschicht überwiegend vermittels Staatsterror, der sich nach innen und nach außen richtet.
In den Westzonen sowie in der anschließend gegründeten BRD fand nach 1945 keine wirkliche Entnazifizierung statt. Viele Nazis sind nach der BRD geflohen.
Die Rolle Adenauers, des Kanzlers der Westalliierten bestand darin, alte Strukturen zu restaurieren und zu erhalten. Insbesondere bei den Konservativen hat Adenauer großes Ansehen gehabt, da sie zentrale Bestandteile der nazifaschistischen Ideologie wie etwa Antikommunismus und rassistischen Russenhass beibehalten konnten. Ebenfalls wurde der Antisemitismus nicht verarbeitet. Als beispielsweise1959 in Köln eine Schändung jüdischer Gräber stattfand, verlautbarte Adenauer, hier müsse es nur eine ordentliche Tracht Prügel setzen, dann sei die Angelegenheit erledigt. Erst ab 1968 wurde das Thema durch die politische Linke auf die öffentliche Agenda gesetzt, wobei nur Teilerfolge zu erzielen waren; so wurde und wird bis heute die Verfolgung der Sinti und Roma nur völlig unzureichend aufgearbeitet.
Auch die Außenpolitik Adenauers mit ihrer radikalen Unterwerfung unter die militärischen, und hier insbesondere unter die atomaren Interessen der USA war und ist – speziell im Blick auf unsere Zukunft – in höchstem Maße gefährlich, so etwa wegen der geplanten Stationierung von US- „Black-Eagle“- Systemen hierzulande in diesem Jahr. Bereits in der Kuba-Krise von 1962 schrammte die Welt haarscharf am Atomkrieg vorbei.
Die aktuelle Israel-Politik Deutschlands ist ein Skandal. Der Staat Israel führt unter massiver Verletzung des Völkerrechts immer wieder Krieg an fast allen Fronten in Westasien. Obwohl Deutschland im Grunde genommen an das Friedensgebot des Grundgesetzes, an die UN-Charta und die einschlägigen UNO-Resolutionen gebunden ist, liefert Deutschland – ebenfalls völkerrechtswidrig – eine Fülle von Rüstungsmaterial an Israel.
Das heutige Nazi-Netzwerk datiert nicht von „heute“ sondern ist eine Fortführung der damaligen faschistischen Politik. Das Dritte Reich hat in mancher Hinsicht niemals ganz aufgehört. Eine Anknüpfung an diese Politik fand besonders im Justiz-, Polizei – und Geheimdienstapparat und in Teilen der westdeutschen Nachkriegspolitik statt.
Wer sich an General Reinhard Gehlen (1902 – 1979) erinnert, braucht sich insofern nicht zu wundern, dass er nach dem zweiten Weltkrieg zwischen 1956 und 1968 Leiter des BND gewesen ist.
Während des Krieges war Gehlen Leiter der „Feindaufklärung Fremde Heere Ost“ des Generalstabs der Nazi-Wehrmacht und damit verantwortlich für die Sammlung von Informationen über die militärische soziale, wirtschaftliche und politische Struktur des Hauptkriegsziels Nazi-Deutschlands, der Sowjetunion. Seine äußerst fragwürdige Rolle im Krieg war entscheidend für seine spätere Karriere.
Italien bleibt in der Geschichte vor und nach 1945 eine Sache für sich. Man muss sich nur mit dem Attentat auf Aldo Moro und der skandalösen Rolle Andreottis befassen und wird feststellen, dass auch hier eine sehr enge Beziehung zwischen den US-Geheimdiensten und Mafiaorganisationen bestand.
Über Definitionen und Abgrenzungen rund um die Begriffe „Nazi“ und „Faschismus“ werden wir uns beim kommenden Treffen auseinandersetzen.

